von Martin Krigar

Samstag: Zum Finale um die Fußball-Meisterschaft sitze ich in unserem Vereinslokal. Der Tag nimmt den erwarteten Stuttgarter Verlauf. Richtig spektakulär ist nur eine Szene: als der VfB kurz in Rückstand gerät und das Zwischenergebnis auf der Schalker Videowand angezeigt wird. Da schreit die ganze Arena, eine unglaubliche Explosion. Unser Sportredakteur vor Ort sagt, er habe in diesem Moment eine Gänsehaut bekommen. Meister Schalke, nur für acht Minuten, aber immerhin doppelt so lange wie 2001. In der Kneipe rechnet jemand hoch, dass es irgendwann auch mal für einen kompletten letzten Spieltag klappen könnte, so ungefähr im Jahr 2031…

Dienstag: Abends beim Trainingslauf mit einem befreundeten Triathleten. Wir reden über die jüngsten Doping-Geständnisse. Viele Täter sagen, sie hätten als Radprofis aus reiner Existenzangst gedopt – weil sie sonst wegen schlechter Leistungen aus dem Team geflogen wären. Wir sind uns aber einig: Es beginnt viel früher. Wir beide kennen Hobby-Läufer, die schon mal mit Blick auf ihre angestrebte Endzeit beim Marathon eine Abkürzung genutzt haben. Diese Leute betrügen sich zwar nur selbst. Aber Betrug bleibt Betrug, und so geht es dann wohl weiter.

Donnerstag: Die Doping-Geständnisse von Erik Zabel und Rolf Aldag treffen uns Westfalen besonders hart. Wir kennen die Radfahrer quasi als Nachbarn, oft sah man sie auf Trainingsfahrten durch Sauerland oder Soester Börde. Wenn man bis gestern in dem Geschäft noch jemandem ein bisschen vertrauen mochte, dann diesen beiden. Am Nachmittag treffen sich die Organisatoren eines für August geplanten Profi-Radrennens – und sagen die Veranstaltung ab. Ausschlaggebend sind die an der Organisation beteiligten Radsportler. Sie haben einfach keine Lust mehr. Man kann es naiv nennen, dass sie noch an das Gute im Sportler geglaubt hatten. Aber wäre es nicht richtig schlimm, wenn wir solchen Glauben gar nicht mehr zuließen?

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